Bindungs-Reparatur: Heilung an der Wurzel

Bindungs-Reparatur (engl. attachment repair) ist eine gut erforschte und spezifische Form der Inneren-Kind-Arbeit. Das Verfahren wurde 2016 von den amerikanischen Psychiatern Daniel Brown und David Elliott begründet. Es gilt insbesondere im englischsprachigen Raum als effektive und wirksame Intervention bei Bindungsstörungen .

Die Bindungs-Reparatur erfolgt wöchentlich und mit einem Protokoll, das ca. 30 Minuten dauert und in leichter Trance durchgeführt wird. Die Methode knüpft an die Bindungstheorie an, welche besagt, dass frühkindliche Erfahrungen mit Eltern oder Bezugspersonen einen erheblichen Einfluss auf unsere emotionale Entwicklung und Beziehungsmuster im späteren Leben haben.

Früher wurde angenommen, dass Erfahrungen aus der Kindheit uns unwiderruflich prägen, und nur teilweise geändert werden können. Diese Auffassung wurde 2012 wissenschaftlich widerlegt. Studien der Psychiater Bruce Ecker und Laurel Hulley zeigen, dass es möglich ist, Symptome, die aus schwierigen emotionalen Erfahrungen resultieren, durch korrigierende emotionale Erfahrungen aufzulösen. Entsprechende Areale im Gehirn werden hierbei nachhaltig neu verschaltet. Es kann somit als erwiesen gelten, dass es nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben.

Die Bindungstheorie zeigt jedoch auch, dass Bindungstypen, die sich in der Kindheit entwickeln, sehr stabil sind und oft nur mit Hilfe eines Therapeuten korrigiert werden können. Bindungs-Reparatur bietet eine wissenschaftlich fundierte und effiziente Methode, um genau das zu erreichen.

Was war und was nicht war heilen

Bindungs-Reparatur widmet sich zwei Dimensionen unserer Vergangenheit:

1. Die Auseinandersetzung mit schwierigen Erfahrungen aus der Kindheit durch korrigierende emotionale Erfahrungen. Dies ermöglicht dem inneren System, Blockaden und Konflikte zu überwinden, die den Weg zu neuen emotionalen Räumen versperren.

2. Das Nachholen von Erfahrungen, die in der Kindheit fehlten, insbesondere im Bereich emotionaler Intimität. Bindungstrauma kann dort entstehen, wo emotionale Nähe möglich gewesen wäre, aufgrund von emotional abwesenden Bezugspersonen aber nie entstand. Solche Entbehrungen haben Einfluss auf den emotionalen Reifungsprozess und können sogar zu Störungen des Nervensystems, wie ADHS, beitragen.

Durch das Protokoll der Bindungs-Reparatur machen Klienten neue emotionale Erfahrungen, die als ‘Schaltstellen’ abrufbar bleiben, und die den Weg zu tiefer Intimität, Präsenz und Da-Sein weisen. Dieses Da-Sein bezieht sich nicht nur auf Partner, Familie und Freunde, sondern auch auf die vertiefte Beziehung zu sich selbst und auf die Welt insgesamt.

Durch die Arbeit mit diesem Protokoll wird es dem Klienten möglich, klarer zu erkennen, welche Gefühle, Situationen und Personen bestimmte Reaktionen auslösen. Die Metakognition, also das Verständnis unserer eigenen inneren Prozesse, wird kontinuierlich verbessert, was zu erhöhter psychologischer Flexibilität führt. Dies erleichtert den Weg der Individuation, bei dem eine Person bewusst und aktiv ihre einzigartigen Potenziale und Aspekte integriert, um eine harmonische und ganzheitliche Persönlichkeit zu entwickeln.

Welche Bindungstypen gibt es ?  

Die drei Bindungstypen, die sich je nach Kindheitserfahrungen entwickeln, sind: 

1. Ängstlich-besorgt

2. Abweisend-vermeidend

3. Desorganisiert (auch ängstlich-vermeidend genannt)

 

Der ängstlich-besorgte Bindungstyp neigt dazu, sich übermäßig auf die Erwartungen anderer Menschen zu konzentrieren. Er kann nur schwer für sich selbst fühlen und sein Handeln eigenständig organisieren, da er sich ständig an den (empfundenen) Erwartungen anderer orientiert. Das Credo dieses Bindungstyps lautet oft: "Die anderen sind gut, ich bin das Problem."

Das Bindungssystem des ängstlich-besorgten Typs ist hyperaktiviert, was bedeutet, dass er sehr sensibel und empfindsam ist. Er erkennt Konflikte bereits frühzeitig und ist äußerst einfühlsam. Allerdings fällt es ihm schwer, sein eigenes Ding zu machen und sich abzugrenzen. Es besteht häufig die Angst, in der grauen Masse der Mehrheit unterzugehen. In schwierigen Situationen reagiert dieser Bindungstyp oft mit Flucht als Abwehrreflex.

Im Gegensatz dazu ist das Bindungssystem des abweisend-vermeidenden Menschen sozusagen offline. Oft sind sich Menschen mit diesem Bindungstyp der eigenen Gefühle und derer anderer Personen nicht bewusst. Das Credo des vermeidenden Menschen lautet: „Ich bin gut, die anderen sind das Problem“. Der abweisende Bindungstyp benötigt in der Regel weniger Zeit für die Behandlung im Vergleich zum ängstlich-besorgten Typ. Beim ängstlich-besorgten Typ kann es länger dauern, das tief verwurzelte Gefühl des "Ich bin nicht gut" im Gehirn und Nervensystem zu regulieren. Der abweisende Typ hingegen profitiert oft bereits davon, in einem geschützten Raum die eigenen Gefühle, insbesondere unerwünschte Gefühle von Minderwertigkeit, zuzulassen und zu akzeptieren, sodass das eigene Bindungssystem schrittweise aktiviert wird.

Der desorganisierte Typ (auch ängstlich-vermeidend) ist eine Mischung aus den vorherigen zwei Bindungstypen. Desorganisierte Bindung entsteht durch traumatische Erfahrungen, die von Furcht begleitet sind. Dies kann durch Übergriffe von wichtigen Bezugspersonen in physischer, emotionaler, mentaler oder spiritueller Hinsicht geschehen. Dieser Bindungstyp benötigt in der Regel mehr Zeit zur Heilung, kann aber auch am meisten von der Behandlung profitieren. Sein Credo ist: “Ich bin nicht ok, und die anderen auch nicht.” Menschen mit diesem Bindungsstil erleben oft erhebliche Verbesserung durch die Bindungs-Reparatur im Vergleich zur gesprächsbasierten Interventionen, da emotionale korrigierende Erfahrungen im Fokus stehen und nicht nur die kognitive Einsicht (die oft schon vorhanden ist, bei andauernden Symptomen).

Meine Erfahrung ist, dass alle drei Typen mit einer größtenteils unbewussten, lebenslangen Scham zu kämpfen haben. Diese Scham entsteht in der Kindheit in Situationen mangelnden Einfühlungsvermögens oder Vernachlässigung seitens der Eltern, während es dem Kind nicht möglich ist, eigene Bedürfnisse geltend zu machen. Für alle drei Typen ist es wichtig, die Erfahrung zu machen, dass es in Ordnung ist, die eigenen Gefühle zu fühlen und anzunehmen, auch wenn sie als unerwünscht empfunden werden. Dieser Schritt ermöglicht es, sich selbst gegenüber milder zu sein und die eigenen Bedürfnisse und Emotionen anzuerkennen. 

Welche Resultate bringt Bindungs-Reparatur?

Die Früchte der Bindungsarbeit, insbesondere das Erreichen eines sicheren Bindungsstils, wirken sich vielfältig und positiv auf verschiedene Aspekte des Lebens aus. Hier sind einige der Vorteile (und Genüsse!) eines sicheren Bindungsstils.

Zunächst betrifft dies das Selbstwertgefühl. Im Gegensatz zu überhöhten, idealisierten und narzisstischen Selbstwertgefühlen, die oft stark schwanken, bietet eine sichere Bindung ein ruhiges Fundament, auf dem sich das emotionale Leben entfaltet.

Ein sicherer Bindungsstil (“Ich bin gut und die anderen auch!”) geht mit einem starken Selbstwertgefühl einher, das als Hauptziel jedes therapeutischen Prozesses betrachtet werden kann. Das tief verankerte, physiologische Gefühl von "ich bin gut" wirkt automatisch auf alle Lebensbereiche. Daher betrachte ich Bindungs-Reparatur als eine äußerst wirksame Arbeit an der "Wurzel".

Fragen zu zwischenmenschlichen Beziehungen, Lebenszielen, Lebenssinn, beruflicher Entwicklung sowie spirituellen oder existenziellen Themen, die oft Anlass für Coaching sind, beantworten sich häufig von selbst, sobald das Gefühl, wertgeschätzt und geliebt zu sein, das eigene Leben durchdringt - selbst in schwierigen Zeiten. Ich biete meinen Klienten auch die Werkzeuge und Perspektiven des systemischen Coachings an, arbeite aber bevorzugt auf der Ebene der Bindungs-Reparatur aus den genannten Gründen.

Menschen mit emotionaler Sicherheit fühlen sich in engen Beziehungen sicher und geschützt. Sie wissen, dass sie auf ihre Partner und Bezugspersonen zählen können und sind in der Lage, sich auch schwierigen Fragen zu öffnen. Sie zeigen tendenziell mehr Offenheit, Empathie und eine angemessene Fähigkeit, Nähe zuzulassen.

Ein sicherer Bindungsstil verbessert auch die Fähigkeit zur effektiven Kommunikation. Menschen können ihre Gefühle und Bedürfnisse klar ausdrücken und sind bereit, auf die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen um sie herum einzugehen. Sie grenzen sich dadurch gut ab.

Das Gefühl von Sicherheit und Wertsein als Basis der eigenen Existenz ermutigt auch zum persönlichen Wachstum und zur Selbstentfaltung. Es eröffnet die Möglichkeit, sich selbst zu erforschen und neue Erfahrungen zu machen.

Die Fähigkeit, sich wirklich einzulassen, führt nicht selten zu völlig neuen Seinsebenen in Beziehungen zu Partnern, mit den eigenen Kindern sowie mit Freunden. In sicheren Beziehungen können Menschen auch in langjährigen Partnerschaften eine erfüllende und intime Sexualität erleben, selbst wenn der anfängliche Liebesrausch nachlässt.

Wie läuft eine Sitzung ab ? 

Unsere Sitzungen dauern in der Regel 60 Minuten, bei mehr Gesprächbedarf auch bis zu 90 Minuten. In dieser Zeit widmen wir uns deinem vergangenen und aktuellen Bindungserleben, der Partnersuche, aktuellen Herausforderungen und alltäglichen Fragen.

Das Herzstück ist eine etwa 30-minütige innere Reise in leichter Trance. Hier wirst du korrigierende emotionale Erfahrungen machen, die mehrere Tage nachwirken und dir neue Perspektiven in deinen Beziehungen zur Welt eröffnen. Du kannst diese Erfahrung auch nachträglich für dich wiederholen, da ich sie aufzeichne.

Falls Du neugierig geworden bist und mehr darüber erfahren möchtest, kannst du mir gerne deine Fragen schicken. Am besten meldest Du dich für ein kostenloses und unverbindliches Kennenlern-Gespräch an, bei dem Du eine solche innere Reise erleben kannst. Dann kannst du auf Basis deiner eigenen Erfahrung entscheiden, ob diese Arbeit für dein Anliegen das Richtige ist.

Ich freue mich darauf, dich auf der faszinierenden Reise der Bindungsarbeit zu begleiten und dir zu zeigen, wie sie dein Leben positiv beeinflussen kann. Lass uns gemeinsam an deinem Wachstum arbeiten und deine Beziehungen zu dir selbst und anderen stärken!